Wiedereingliederung im Kontext der Null-Risiko-Gesellschaft

Von nothing works zu something works sometimes

 

Veranstaltungsort: Congress Centre Kursaal Interlaken AG, Strandstrasse 44, 3800 Interlaken

Veranstalter: Schweizerische Arbeitsgruppe für Kriminologie - http://kriminologie.ch

 

Resozialisierung, eines der Kernprinzipien zeitgenössischen Freiheitsentzugs, muss heute unter einem gesellschaftlichen Paradigmenwandel verstanden werden, in dem die Nachfrage nach Sicherheit exponentiell ansteigt. Einerseits haben die Praktiker des Strafrechts und des Vollzugs unterschiedlich auf dieses starke Verlangen nach Sicherheit reagiert: Zunahme der Massnahmen mit Sicherheitscharakter, wie im Falle der stationären Massnahmen, nicht aber der Verwahrung; restriktivere Handhabung der bedingten Entlassung für Personen, die zu langen unbedingten Freiheitsstrafen verurteilt wurden, oder für Verwahrte, zurückhaltende Gewährung von Übergangsmassnahmen, intensiverer Einsatz der Untersuchungshaft in einigen Kantonen und das Phänomen einer älter werdenden Insassenpopulation sind einige der Konsequenzen dieser Null-Risiko-Politik.

Dieser Paradigmenwandel ist bedenklich und kann das Prinzip, das früher im Zentrum des Vollzugs war, in Frage stellen: die Resozialisierung.

Auf der anderen Seite kann die Sicherheit der Bevölkerung nicht vernachlässigt werden, wohlwissend, dass keine Strafrechtspolitik, keine politische Massnahme und kein Arbeitsinstrument in der Gefängniswelt – auch in Zukunft – den Rückfall ausschliessen kann.

Wie kann ein Gleichgewicht zwischen diesen Tendenzen gefunden werden, ohne in die Falle der Blauäugigkeit oder die der totalen Sicherheit zu fallen?

Die Schweizerische Arbeitsgruppe für Kriminologie hat sich entschieden, dieses Phänomen aufzugreifen: die Resozialisierung in Zeiten des Nullrisikos. Es wird zuerst darum gehen, die fundamentalen Prinzipien der Resozialisierung zu hinterfragen, wobei die Risikoevaluation als Mittel und als Hindernis der Resozialisierung im Fokus stehen wird. Dabei wird auch der Effizienz sozialer Integrationsmassnahmen nachgegangen, wobei ein Überblick auf die Ergebnisse der Evaluationsstudien – 40 Jahre nach der These des «Nothing Works» von Robert Martinson – gegeben werden soll. Weiter wird es darum gehen, das Strafverfahren als Faktor von Desozialisation und Wiedereingliederung nachzugehen. Schliesslich werden weitere Formen alternativer Sanktionen und deren Effizienz behandelt.