Osteuropa - Archangelsk

Der Schleswig-Holsteinische Verband für soziale Strafrechtspflege ist seit 2005 in Osteuropa aktiv, hier insbesondere in dem russischen Gebiet und der Stadt Archangelsk, gelegen am Weißen Meer und dem Fluss Dvina in Nordwestrussland.
Die Strafvollzugsverwaltung (UFSIN) in der „Erzengelstadt“ Archangelsk und die Abteilung II (Justizvollzug, Soziale Dienste der Justiz, Freie Straffälligenhilfe) des Ministeriums für Justiz, Arbeit und Europa des Landes Schleswig-Holstein unterhalten bereits seit 1998 eine bis heute andauernde und vom Europarat geförderte Partnerschaft. Was als freundschaftlicher Kontakt zwischen einzelnen Mitarbeitern begann, entwickelte sich zu fachlichem Austausch und dem gemeinsam entwickelten Ziel einer Zusammenarbeit zwischen den Vollzugsverwaltungen. Von Anfang an standen dabei die Verbesserung der Situation im russischen Strafvollzug in der Region Archangelsk, aber auch der Nachentlassungssituation sowie Wege der Vermeidung von Haft im Fokus.

Die Projekte werden zum großen Teil von der Europäischen Union finanziert.

Russland hat mit ca. 625 Gefangenen auf 100.000 Einwohner nach den USA und China immer noch eine der höchsten Gefangenenraten der Welt. Die Region Archangelsk übersteigt mit ca. 1.200 Gefangenen pro 100.000 der Bevölkerung den russischen Durchschnitt bei Weitem. Die hohe Zahl an Inhaftierten verursacht viele Folgeprobleme wie Überbelegung, Mangel bei der Grundversorgung, Verbreitung von Krankheiten, fehlende Wiedereingliederungs- und Behandlungsmaßnahmen. Ein Bedarf an Unterstützung zur Lösung der Probleme aus dem westeuropäischen Ausland besteht, und die Beratung und Hilfe wird von den Russen gern angenommen. In Deutschland beträgt die Gefangenenrate durchschnittlich nur 88 auf 100.000 der Bevölkerung; sie ist in Schleswig-Holstein mit zuletzt ca. 53 sogar bundesweit am niedrigsten. Daher liegt es nahe, dass gerade Schleswig-Holstein mit seinen erfolgreichen Bemühungen um Haftvermeidung und Alternativen zu Haftstrafen sowie der effektiven Resozialisierung von Straftätern aufgerufen war, in der Region Archangelsk zu helfen. Auch der Landesverband, der sich eine integrative und humane Straffälligen- und Opferhilfe unter Einbindung aller mit diesem Thema befassten gesellschaftlichen Kräfte zum Ziel gesetzt hat, ist deshalb in die Russlandaktivitäten des Landes Schleswig-Holstein als Hauptprojektpartner bzw. Projektträger eingebunden.