Presseinformation zur Fachtagung - " Aktuelle Herausforderungen der sozialen Strafrechtspflege" am 26.11.2012 im Kieler Landeshaus (26.11.2012)

Familienbeziehungen zwischen Strafgefangenen und ihren Kindern und Angehörigen stärken – eine Zukunftsaufgabe für den Strafvollzug

Der Schleswig-Holsteinische Verband für soziale Strafrechtspflege; Straffälligen- und Opferhilfe e.V. widmete seine 22. Fachtagung am 26.11.2012 im Kieler Landeshaus aktuellen Themen der sozialen Strafrechtspflege. Rund 150 Fachleute aus den Fachbereichen Justiz und Sozialarbeit hörten eine Podiumsdiskussion mit Landespolitikern aller im Landtag vertretenen Parteien, die Ausführungen von Justizministerin Anke Spoorendonk zu den justizpolitischen Zukunftsplänen der Landesregierung sowie Fachreferate zu dringenden Themen des Strafvollzugs und seiner Nachsorge.

Zentrale Impulse des Tages setzte William Rentzmann, der Generaldirektor für Justizvollzug, Straffälligen- und Bewährungshilfe aus dem Dänischen Justizministerium. Dänemarks Vollzugspolitik verfolgt als Kerngedanken bei der Ausgestaltung des Justizvollzuges die Minimierung des Unterschieds zwischen dem Leben im Gefängnis und dem Leben in Freiheit. Nur so könne gewährleistet werden, dass die Rückfallwahrscheinlichkeit nach einer Gefängnisstrafe nicht befördert, sondern reduziert wird.

In den European Prison Rules des Europarates ist dieser Angleichungsgrundsatz genauso festgeschrieben wie im deutschen Strafvollzugsgesetz. Dennoch stellt William Rentzmann fest: „Wird dieser Grundsatz in der Praxis tatsächlich umgesetzt, handelt es sich gemessen an den Realitäten in unseren Gefängnissen doch um einen geradezu revolutionären Gedanken“.

Dänemark versucht eine Annäherung an dieses Gebot der Angleichung insbesondere durch einen familienfreundlichen Strafvollzug, in dem der Kontakt der Gefangenen mit ihren Familien oberste Priorität genießt. Dieser reicht von häufigen Möglichkeiten der Kommunikation, insbesondere zwischen inhaftierten Vätern oder Müttern mit ihren Kindern, über besonders geschultes Anstaltspersonal bis hin zu einer offenen Vollzugsanstalt in Engelsborg, in der Nähe von Kopenhagen, in der ganze Familien von Verurteilten in Familienhäusern untergebracht und gemeinsam betreut werden.

Auch, wenn die meisten Gefangenen in Schleswig-Holstein keine Familienbindung haben, waren sich Politik und anwesende Fachleute einig, dass eine engere Verzahnung von sozialen Beziehungen aber auch von Hilfsangeboten zwischen „drinnen und draußen“ die wesentliche Zukunftsaufgabe für den Strafvollzug auch in Schleswig-Holstein darstellen.

Verantwortlich für diese Presseinformation Björn Süß / Jo Tein
Schleswig-Holsteinischer Verband für soziale Strafrechtspflege; Straffälligen- und Opferhilfe e.V.
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Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein
Medien-Information
26. November 2012

Fachtagung „Aktuelle Herausforderungen in der sozialen Strafrechtspflege“ -
Justizministerin Spoorendonk lobt Arbeit der Straffälligen- und Opferhilfe

KIEL. Justizministerin Anke Spoorendonk hat heute (26. November) auf der Fachtagung der Straffälligen- und Opferhilfe im Kieler Landeshaus die erfolgreiche Entwicklung in Schleswig-Holstein von einer traditionellen Gefangenenfürsorge zu einer sozialen Strafrechtspflege betont. „Die soziale Strafrechtspflege in Schleswig-Holstein zeichnet sich durch eine verantwortungsbewusste, liberale Strafrechtspflege und einen ebenso konsequenten, gleichwohl verantwortungsbewussten liberalen Strafvollzug aus. Dieser behält immer den einzelnen Menschen, sein Schicksal und seine Perspektiven im Blick.“ Spoorendonk begrüßte, dass die Wahrnehmung der Opferperspektive seitens der Strafjustiz zunehmend in den Blickpunkt rücke. „Ich bin allerdings der Überzeugung, dass diese Entwicklung – nämlich sich mit den Bedürfnissen der Opfer von Straftaten zu befassen – in den Gerichten, Staatsanwaltschaften und auch in den Justizministerien noch keineswegs abgeschlossen ist“, betonte sie.
Die Ministerin ging auch auf das Tagungsthema „Aktuelle Herausforderungen in der sozialen Strafrechtspflege“ ein: „Ich sehe aktuell die Möglichkeit und auch die Notwendigkeit, im Rahmen des beruflichen Übergangsmanagements weiterhin den Einsatz von Integrationsbegleitern durchzuführen. Diese können an der Schnittstelle zwischen Strafvollzug und Freiheit wertvolle Vermittlungs- und Betreuungsdienste leisten. Zeitlich befristet begleiten sie die betreffenden Gefangenen in vorbereitete Arbeits- und Beschäftigungsmaßnahmen während der kritischen Phase der Haftentlassung.“

Verantwortlich für diesen Pressetext:
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