Presseinformation - 60 Jahre Schleswig-Holsteinischer Verband für soziale Strafrechtspflege (23.09.2011)

Am 26.09.2011 begeht die Dachorganisation für Straffälligen- und Opferhilfe in Schleswig-Holstein ihr Jubiläum mit einer Fachtagung im Kieler Landeshaus. Anders als sonst üblich, kommen auf dieser Veranstaltung außer dem Verbandsvorsitzenden Prof. Dr. Heribert Ostendorf und Justizminister Emil Schmalfuß keine Fachleute aus Justiz und Kriminologie zu Wort. Nach 60 Jahren erfolgreicher Verbandsarbeit möchte man stattdessen wissen, welchen Stellenwert die Kriminalprävention durch Straffälligen- und Opferhilfe außerhalb der justiziellen Fachwelt hat. Wie denken Theologen oder Journalisten über die Bedeutung von Resozialisierung, welche Sicht auf Justizvollzugsanstalten und alternative Sanktionen haben Fachleute aus den Bereichen Theater, Kino, Musik und Sport? Kurz vor den Landtagswahlen werden außerdem Politiker aller Fraktionen nach ihren Positionen zu den zukünftigen Möglichkeiten einer erfolgreichen Kriminalprävention in Schleswig-Holstein befragt.
Diese Veranstaltung ist der zentrale Teil einer Reihe von Jubiläumsveranstaltungen die im Laufe des Jahres 2011 in Kiel und in Lübeck (siehe Anlagen) stattfinden.

Was ist soziale Strafrechtspflege?

„Soziale Strafrechtspflege verknüpft den staatlichen Schutz seiner Bürger durch das Strafrecht als Notwehrrecht gegen das Verbrechen, verknüpft das Rechtsstaatsprinzip mit dem Sozialstaatsprinzip, mit der Achtung und Förderung des Menschen in seiner sozialen Entwicklung, in seinen sozialen Verhältnissen. ... Strafe ist keine Wohltat, keine sozialpolitische Maßnahme, darf aber auch nicht unnötig soziale Not verschärfen. Dies wäre nicht nur inhuman, sondern auch ineffektiv in dem Sinne, den Straftäter von einer Wiederholung der Tat abzuhalten.“ (H. Ostendorf, 2000)

Informationen zum Landesverband für soziale Strafrechtspflege:

Der Landesverband vertritt z. Zt. 50 Mitgliedsorganisationen, die in der Resozialisierung von Straftätern und der Unterstützung von Straftatsopfern in Schleswig-Holstein engagiert sind. Er sorgt für eine gute Vernetzung der beteiligten Organisationen, ist aktiv in der Fortentwicklung von Maßnahmen der Strafrechtspflege und berät Politik und Verwaltung in Fragen der Straffälligen- und Opferhilfe. Der Verband engagiert sich als Träger verschiedener Entwicklungsprojekte auf europäischer Ebene, im Auftrag des Justizministeriums begleitet er zudem ein innovatives Projekt zur beruflichen Integration von entlassenen Strafgefangenen.

60 Jahre Landesverband – ein Blick in die Geschichte

Am 16. März 1951 wurde auf Initiative des damaligen Generalstaatsanwalts Dr. Karl Mannzen im Büro des Landesverbandes der Inneren Mission in Kiel, Gartenstraße 20, der Schleswig-Holsteinische Verein für Gefangenenfürsorge gegründet.
Zunächst stand, wie der Name des Vereins besagt, die Gefangenenbetreuung im Mittelpunkt der Aktivitäten. Damit knüpfte man an den im 19. Jahrhundert in der Provinz Schleswig-Holstein tätigen „Central-Verein zur Fürsorge für entlassene Strafgefangene und Korrigenden“ an.
1959 wurde die Vereinstätigkeit auf die Bewährungshilfe, die in Schleswig-Holstein 1954 eingeführt worden war, ausgeweitet, dementsprechend hieß der Verband jetzt Schleswig-Holsteinischer Verband für Gefangenenfürsorge und Bewährungshilfe.
1991 wurde der Name in Schleswig-Holsteinischer Verband für Straffälligen- und Bewährungshilfe geändert. Auch inhaltlich erfolgte ein Umbruch. Die Vereine in der freien Straffälligenhilfe gaben jetzt den Ton an. Der Täter-Opfer-Ausgleich wurde von Mitgliedsvereinen des Verbandes durchgeführt, 1994 ein Ausgleichsfond eingerichtet. Im Landgerichtsbezirk Kiel wurde die gemeinnützige Arbeit statt Ersatzfreiheitsstrafe von der Kieler Stadtmission, später evangelische Stadtmission organisiert, integrierte Beratungsstellen in den Gefangenenorten Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster eingerichtet, die Schuldnerberatung in den Justizvollzugsanstalten organisiert. 1992 wurde dem Landesverband die Geschäftsführung der „Stiftung Straffälligenhilfe Schleswig-Holstein“ übertragen.
Im Jahre 2003 schlitterte der Landesverband in eine ernsthafte Krise. Vor dem Hintergrund massiver Beanstandungen des Landesrechnungshofs hinsichtlich der Finanzabwicklung beim Landesverband kam es zur Wahl eines neuen Vorstandes und einer Neubesetzung der Geschäftsführerstelle. Bezeichnenderweise stand die alljährliche Fachtagung im Jahre 2004 unter dem Titel „Die Zukunft der Straffälligenhilfe in Schleswig-Holstein“. Der Verband wurde in der Folge nicht nur konsolidiert, die Arbeit wurde auch erheblich ausgeweitet. Neue Arbeitskreise wurden eingerichtet, ein Internet-Auftritt geschaltet, die Kooperation im Rahmen eines EU-Projekts mit einer Partnerorganisation in Archangelsk begonnen. Zugleich wurde im Rahmen einer umfangreichen Satzungsänderung der Name geändert in „Schleswig-Holsteinischer Verband für soziale Strafrechtspflege; Straffälligen- und Opferhilfe“. Beispielhaft für die vielfachen Aktivitäten des Landesverbands sind heute die Landesarbeitskreise „Schuldnerberatung in den Justizvollzugsanstalten“, „Ambulante Maßnahmen nach § 10 JGG“, „Ausbildung und Begleitung von Ehrenamtlichen“, „Vermittlungsstellen in gemeinnütziger Arbeit in freier Trägerschaft“, „Suchtkrankenhilfe in den Justizvollzugsanstalten“, „Integrationsbegleitung“, „Täter-Opfer-Ausgleich“. Der frühere Rundbrief hat sich zur „Zeitschrift für soziale Strafrechtspflege“ gemausert. Stellungnahmen im Rahmen von parlamentarischen Beratungen zu neuen Gesetzen, wie zum Jugendstrafvollzugsgesetz und zum Vollzug der Untersuchungshaft wurden formuliert und in die Diskussion eingebracht. Die Arbeit im Rahmen internationaler, von der EU geförderter Projekte, wurde ausgeweitet.
Wenn heute nach 60 Jahren Bilanz gezogen wird, so scheint es nicht vermessen, den Schleswig-Holsteinischen Verband für soziale Strafrechtspflege als eine unverzichtbare Institution im Rahmen von Straffälligen- und Opferhilfe in Schleswig-Holstein zu bezeichnen.

Herausforderungen

Die Finanzierung der Maßnahmen unserer Mitgliedsorganisationen sowie des Landesverbandes selbst bereitet immer wieder große Probleme. Angesichts der ernsthaften Diskussionen um die Konsolidierung insbesondere des Landeshaushalts wird darauf zu achten sein, dass die bestehenden Angebote zur Resozialisierung von Straftätern und zur Hilfe für Opfer von Straftaten fortgeführt und weiterentwickelt werden können. Unüberlegtes Sparen in diesen Bereichen führt zwangsläufig zu mehr Kriminalität in Schleswig-Holstein. Auch wäre mit einer Einschränkung der Angebote eine Abkoppelung von europäischen Entwicklungen im Justizbereich zu befürchten. Ein Dauerthema bleibt die organisatorische Abwicklung der Landesfinanzierung, die zum Teil mit einem Arbeitsaufwand verbunden ist, der außer Verhältnis zu den Finanzbeträgen steht. Eine unbürokratischere Zuwendungspraxis könnte einen wichtigen Beitrag zur efiizienteren Nutzung der ohnehin knappen vorhandenen Landesmittel leisten.


In der Mittagspause der Jubiläumsveranstaltung am 26.09.2011 im Landeshaus Kiel findet ab 13 Uhr im Raum 121 (direkt neben dem Schleswig-Holstein Saal) ein Pressegespräch mit Prof. Dr. Heribert Ostendorf sowie weiteren Mitgliedern des Vorstandes des Landesverbandes statt, zu welchem wir recht herzlich einladen.



Verantwortlich für diese Presseinformation
Björn Süß, Jo Tein
SH Verband für soziale Strafrechtspflege; Straffälligen- und Opferhilfe e.V.
Ringstr. 76
24103 Kiel
Tel. 0431-2005668
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Anlagen:
Programm Fachtagung
Kinoreihe Hinter Mauern Hinter Gittern Kiel / Lübeck
Fachtagung "Das verflixte 7. Jahr Strafvollstreckung trifft Pädagogik" 25.11.2011Vorwerker Diakonie Lübeck