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„Fachtag Täter-Opfer-Ausgleich“ und Mediation in Schleswig-Holstein (06.10.2010)

KIEL. Auf dem heutigen (6. Oktober) „Fachtag Täter-Opfer-Ausgleich“ sind erstmals in Schleswig-Holstein MediatorInnen aus unterschiedlichen Bereichen zum interdisziplinären Austausch zusammen gekommen. Sie haben das gemeinsame Ziel, noch besser über die bestehenden Mediationsangebote zu informieren und diese für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen. „Ich habe – auch in meiner Zeit als Richter – Mediation als sehr hilfreiches Mittel der Konfliktbewältigung kennen- und schätzen gelernt“, erklärte Justizminister Emil Schmalfuß. „Mittlerweile ist die Mediation zu einem festen Bestandteil des Justizangebots geworden."

Eine stetig steigende Zahl von Akten wird in die Mediationsabteilungen abgegeben, Mediation ist zu einer qualifizierten Dienstleistung einer modernen und bürgernahen Justiz geworden.“ Veranstaltet wurde der Fachtag vom schleswig-holsteinischen Justizministerium in Kooperation mit dem Schleswig-Holsteinischen Verband für soziale Strafrechtspflege, Straffälligen- und Opferhilfe e.V., der Landesarbeitsgemeinschaft Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) und dem TOA-Servicebüro des DBH-Fachverbands für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus der Justiz, der Jugendhilfe, von Freien Trägern der Straffälligen- und Opferhilfe, der Anwaltschaft sowie von der Fachhochschule Kiel. Es wurde unter anderem der Umgang mit unterschiedlichen Konflikttypen beleuchtet. Zudem bekamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtages Anregungen, wie individuelle Stärken für Mediation nutzbar sind.

Was ist Mediation?
Mediation steht für Frieden stiftende, versöhnliche Vermittlung und ist ein kommunikatives Verfahren zur Regelung von Konflikten. Dabei arbeiten die Konfliktparteien mit Unterstützung von neutralen Fachkräften die Konflikthintergründe auf und entwickeln eigenverantwortlich eine verbindliche, zukunftsweisende Vereinbarung. Das Ergebnis soll den Bedürfnissen aller Beteiligten gleichermaßen gerecht werden („win-win-Situation“). Mediation entwickelte sich aus der Praxis der außergerichtlichen Konfliktregelung und wird inzwischen in unterschiedlichen Bereichen außergerichtlich, aber auch als gerichtliche Mediation eingesetzt, z.B.
  • im Strafrecht (Täter-Opfer-Ausgleich),
  • bei Familienstreitigkeiten (z.B.: Erbrecht, bei Trennung und Scheidung oder bei Fragen des Umgangs- und Sorgerechts),
  • im Zivilrecht (z.B.: Nachbarschaftsstreitigkeiten, Miet- und Verbraucherrecht),
  • im Baurecht,
  • im Arbeitsrecht,
  • bei politischen Konflikten,
  • sowie in Schule und Wirtschaft.
Die wesentlichen Grundprinzipien der Mediation sind Freiwilligkeit, Autonomie und Eigenverantwortung der Konfliktparteien, ein respektvoller Umgang, Transparenz, eine faire und offene Kommunikation, Ergebnisoffenheit und Gemeinsamkeit.
Mediation kann in geeigneten Fällen in Anspruch genommen werden:
vor und in jedem Stadium eines Strafverfahrens mit Zustimmung von Staatsanwaltschaft und Gericht (TOA durch Fachkräfte der Jugendämter, der Justiz und von Freien Trägern)
  • im Rahmen eines Gerichtsverfahrens (gerichtliche Mediation bei Amts- und Landgerichten, Verwaltungsgerichten, Sozial- und Arbeitsgerichten sowie dem Oberlandesgericht durch Richterinnen und Richter)
  • von freien Anbietern (z.B. spezialisierte Rechtsanwälte, Psychologen usw.)

Wie arbeiten MediatorInnen?
In der Regel sind MediatorInnen Fachkräfte mit spezieller Zusatzausbildung, unter anderem aus den Bereichen Sozialpädagogik, Psychologie und Justiz. Sie bieten einen neutralen Raum und schaffen eine geeignete Atmosphäre. Sie strukturieren den Ablauf der Gespräche und unterstützen die Parteien bei der Entwicklung einer Lösung, die meist in einer schriftlichen Vereinbarung festgehalten und von den Konfliktparteien unterzeichnet wird. Für den Inhalt und das Ergebnis sind die Parteien selbst verantwortlich. Anders als in Schieds- und Gerichtsverfahren, nehmen MediatorInnen keine Bewertungen vor, bringen selbst keine Vorschläge ein und haben keine Entscheidungsbefugnis. Sie stehen für Neutralität und Allparteilichkeit, d.h., sie fühlen sich allen Beteiligten gleichermaßen verpflichtet. Sie setzen sich für einen respektvollen und versöhnlichen Umgang ein, für die Einhaltung von Gesprächsregeln, für Vertraulichkeit und Transparenz sowie für tragfähige und nachhaltige Ergebnisse.

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